„Sommerstraße ‚Am Brink‘“
„Sommerstraße ‚Am Brink‘“, Foto von André Knabe

Wissenschaftliche Begleitforschung zur „Sommerstraße ‚Am Brink'“

Anliegen und Ziele

Im Sommer wurde in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt, einem zentralen, jungen Viertel in der Hanse- und Universitätsstadt Rostock, die temporäre Umgestaltung eines zentral gelegenen Platzes – dem „Brink“ – beschlossen. Der Brink ist relevant für Lieferverkehr, Zugangsstraße zum Viertel aber auch ein kulturell und gastronomisch intensiv genutzter Ort. Das federführende Amt für Mobilität sperrte für drei Monate die Straße, entfernte Parkplätze, stellte Fahrradständer und Sitzbänke auf, ermögliche der örtlichen Gastronomie zusätzliche Sitzplätze im Freien zu schaffen und richtete eine Fußgängerzone ein.

Das ROSIS wurde in Kooperation mit der Universität Rostock beauftragt, die Wahrnehmung und Bewertung des Projektes „Sommerstraße ‚Am Brink‘“ unter Anwohnenden, Passant:innen und dem ortsansässigen Gewerbe zu erheben. Das Ziel war es, eine differenzierte Beurteilung der Anliegen und Einschätzungen der unterschiedlichen durch das Projekt berührten Gruppen zu ermöglichen. Zu diesem Zweck wurden in mehreren Erhebungsphasen über einen Zeitraum von drei Monate Daten zur Evaluation des Projektes gesammelt und ausgewertet.

Vorgehensweise

Multimethodischer Ansatz, Kombination von qualitativen und quantitativen Verfahren: Befragungen auf der Straße, von Gewerbetreibenden und Anwohner:innen im Viertel, qualitative Interviews mit relevanten Gruppen

Vorläufige Ergebnisse

Die Beforschung der „Sommerstraße ‚Am Brink‘“ zeigte zuvörderst, dass lokale, verkehrspolitische Projekte die Menschen vor Ort berühren, betreffen und ihnen nicht egal sind. Die Erhebungen legt offen, dass das Projekt zwar polarisiert, es aber auch stärkere Zustimmungstendenzen für Veränderungen ‚Am Brink‘ gibt; wenn auch unter anderen Voraussetzungen, Beteiligungsformen und Ausgestaltung.

Ein genauerer Blick in die Daten zeigt, das insbesondere Passant:innen Projekten zur Verkehrsberuhigung und Belebung öffentlicher Plätze zugeneigt sind, da sich so für diese Gruppe neue Möglichkeiten zur Betätigung ergeben. Unter den Gewerbetreibenden hingegen polarisiert dieses Projekte stark: Jene Gewerbe im Projektbereich, insbesondere wenn sie gastronomisch ausgerichtet sind, befürworten die Maßnahmen klar, Gewerbe mit anderer Ausrichtung und die Gastronomie in Seitenstraßen lehnen die Umsetzung jedoch primär ab. Unter den Anwohnenden ist eine solche Polarisierung ebenfalls zu erkennen, auch wenn die allgemeine Zustimmung größer ist. Es zeigt sich aber auch deutlich: Je näher die Menschen am Projektbereich wohnen, desto negativer fällt deren Bewertung aus.

Deutlich wird auch: Die Politik und Verwaltung stehen vor anspruchsvollen Aufgaben, wenn verkehrspolitische Maßnahmen (zur Belebung des öffentlichen Raumes, zur Stärkung des Gewerbes, zur Beruhigung von Verkehr) nicht zur Spaltung unter den Menschen vor Ort führen sollen. Veränderungen des öffentlichen Raumes sind Eingriffe in die Lebenswelt von Menschen und müssen mit Bedacht erdacht, ausgehandelt und umgesetzt werden. Angemessene Formen der Beteiligung, der Informationsdarbietung und des Ausgleichs müssen gefunden werden, damit Projekte nicht nur für Privilegierte, sondern auch für Minderheiten und Ungehörten eine Verbesserung ihrer Lebenssituation darstellen.

Veröffentlichungen zum Projekt

Der Abschlussbericht wurde im März 2022 erstellt, dem Amt für Mobilität übergeben und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. 

Die Veröffentlichung ist hier zu finden.